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Das dritte Umzugs-Tagebuch

Aktualisiert: 25. Nov. 2021

Umgezogen sind wir also nun mittlerweile. Umgezogen sind noch nicht all unsere Habseligkeiten. Wie wir unseren gesamten Haushalt in Kapariana allmählich wieder zusammen tragen, berichten wir hier.


Montag


Das war spannend: Die lange Reise unseres Containers auf seinem Weg aus dem Eigenthal über Basel nach Antwerpen mit einem kleinen Motorcontainerschiff, dann mit der riesigen

Dymphna“ nach Piräus und schliesslich mit der kleine „Iapetos“ nach Heraklion haben wir stets live verfolgen können, per „Tracking“ der Reederei MSC. So konnten wir also schon voraussehen, dass unser Container sogar ein bisschen zu früh gegenüber dem ursprünglichen Plan in Heraklion ankomen würde. Zolltechnisch betrachtet macht es fast keinen Unterschied, ob der Container aus Kolumbien kommt oder aus der Schweiz: Beide Länder gehören nicht zur EU, also ist deren Einfuhr nach Griechenland nicht so einfach. Zu unserer Unterstützung haben wir eine Agentin an unserer Seite, und Ariadni hat uns schon für 8:30 Uhr an den Zoll bestellt: Besser, sagt sie, ist es, wenn man früh da ist. Das sind wir dann auch. Um es vorwegzunehmen: Es braucht dann tatsächlich 5 Stunden 20 Minuten und damit fast bis zum Ende der Öffnungszeit der Zollbehörde, bis wir alle Formalitäten, die man eben so erledigen muss, auch erledigt haben. Oder durch Ariadni erledigen lassen. Glücklicherweise ist im Zollgebäude gar nicht so viel los, daher kann Ariadni unsere Anliegen zügig vortragen und von mehreren freundlichen Zollmitarbeitenden bearbeiten lassen.

Als hilfreich, nein, als eigentlich unverzichtbar erweist sich unsere Übersiedlungsbescheinigung, die uns ja noch auf der griechischen Botschaft in Bern ausgestellt worden ist. Dort hat man anscheinend wirklich an alles gedacht, und es bleiben einstweilen keine Fragen offen. Nach ein paar Stunden geht es mit einem Beamten, der sich persönlich unseres Falles angenommen hat, und seinem Chef mit einem Zollauto auf einer fröhlichen Fahrt in den Containerhafen. Gemeinsam fahren wir umher und suchen unseren Container, bis wir ihn dann, welche Freude, auch entdecken. Die Spannung steigt für uns: Wie wird der Container von innen aussehen? Werden uns gleich Kartons entgegenfallen, die einen Seesturm nicht aufgestapelt überstanden haben? Wird uns eine Welle Seewasser entgegenschwappen? Werden nur Bruchstücke unserer Regale identifizierbar sein? Dann öffnen zwei Hafenmitarbeiter die Flügeltüren, wir sehen hinein: Und – die Erleichterung ist groß. Das sieht genau so aus, wie es aussah, als wir die Flügeltüren im Eigenthal verschlossen hatten! Schäden sind nicht erkennbar. Toll. - Wie kann der Zoll nun überprüfen, ob unsere Packliste wirklich mit dem Inhalt des Containers übereinstimmt? Niemand hat Lust dazu oder sieht eine Notwendigkeit dafür, den Container zumindest teilweise zu entleeren. So erklären sich die Zollbeamten gegenseitig, dass das eine Bügelmaschine ist, die zentral an der Flügeltür steht, und als wir dann noch bestätigen, dass wir gar keinen Kühlschrank mitführen, weil wir den bereits in Griechenland gekauft haben, findet der Zollchef, das ist denn nun gut so, die Containertüren können wieder geschlossen und der Container freigegeben werden. Zurück im Zollgebäude unterhalten wir uns noch sehr nett über das Leben in Griechenland, engagierte Auswanderer, das Klima im Süden – und dann möchte der Zollchef noch wissen, was eine „Miniatur Railway“ eigentlich ist, die auf der Packliste erscheint. Glücklicherweise können wir Fotos von der gesamten Anlage zeigen. Und daran baut man Jahre lang? Daran baut man sein ganzes Leben…

Zeit braucht die Einfuhr unseres kleinen geländegängigen Autos aus der Schweiz. Die Zollbeamten sind begeistert: „This is the best car for Crete!“, hören wir immer wieder, das freut uns ja nun sehr. Alle Ausstattungsmerkmale werden genau notiert und, soweit das vor Ort möglich ist, getestet. Zugleich befürchte ich, dass sich die große Wertschätzung, die unser Auto hier offenbar genießt, auch in einem entsprechend hohen Schätzpreis niederschlägt, der uns dann über den als Umzugsgut festgelegten Maximalwert als Umzugsgut hinaus katapultiert. Nein. Das geschieht nicht. Und es sind alle sehr mit dem Ergebnis zufrieden: Dass wir nicht noch Gebühren für unser Umzugsgut zahlen müssen, denn alle finden das einfach großartig, wenn wir nun aus der Schweiz mit all unseren Sachen nach Kapariana (Kapariana!) umgezogen sind, das soll denn doch alles gut gehen.

Unser Spediteur Georgios freut sich auch, als wir ihn benachrichtigen, dass der Zoll den Container freigegeben hat. Er holt den Container gleich aus dem Hafen ab, denn einen Tag später soll das nicht mehr möglich sein, weil anlegende Kreuzfahrtschiffe den Platz versperren. Über fünf Stunden in der Zollbehörde? To be honest, sagt Georgios, er hat eigentlich nicht damit gerechnet, dass wir mit einem einzigen Tag dort alle Formalitäten würden erledigen können.

Einen Tag dazwischen noch "frei": Dann beginnt das Ausladen des Containers in Kapariana.



Mittwoch


Aus Heraklion kommt nicht nur der Container, aus Heraklion ist auch ein Umzugsunternehmen bestellt, dessen vier Mitarbeiter uns bei der Entladung des Containers mit ihrem Umzugslift helfen sollen. Eine halbe Stunde zu früh kommt das Auto an, aber das ist auch gut so: Die auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkenden Autos sollten besser aus dem Weg geschafft werden, damit mit der Containerentladung später nicht die Straßenverbindung nach Zaros unterbrochen werden muss, wenn hier neben dem LKW kein Platz mehr sein wird. Die Männer klingeln an den Haustüren der Nachbarschaft, tatsächlich finden sich alle Fahrer, die ihre Autos dann um die Ecke stellen.

Und dann kommt tatsächlich unser Container angefahren. Der Container, der sich noch vor

ein paar Wochen im Eigenthal befand und den wir dort beladen haben: Es dauert eine Weile, bis die richtige Position gefunden ist, aber dann werden die Klapptüren geöffnet. Das Liftauto ist inzwischen auch entsprechend vorbereitet und aufgestellt, um glaubwürdig stabil

unsere Kästen und Kisten nach oben zu transportieren. Zwei Männer laden die Umzugsgüter aus dem Container, unterstützt von unserem aus Hamburg eingeflogenen Sohn Jakob, der den Container ja schon im Eigenthal beladen hat und sich folglich bestens im Containerinneren auskennt. Der Lift ist oben an unserem Balkon angelehnt, und am Gitter stehen zwei weitere Männer, um die Dinge, die von unten ankommen, in Empfang zu nehmen. Madeleine und ich können anhand unserer Packliste angeben, in welchem unserer

Räume die Habseligkeiten erst einmal provisorisch untergebracht werden sollen. Das klappt soweit ganz gut, geht einigermaßen schnell, und es sieht tatsächlich so aus, als ob auch alle Dinge heil hier in Kapariana angekommen sind. Sie kommen aber nicht alle heil auf unserem Balkon an: Ausgerechnet die schwere Platte des Gartentisches, die wir im Eigenthal so mühsam eingeladen haben, rutscht ab und zerbricht in zwei Teile. Das tut dem Umzugsmann ziemlich weh, dem ein Teil der Platte auf den Fuß gefallen ist, und uns tut das schon sowieso sehr weh. Immerhin arbeiten die Männer fortan deutlich vorsichtiger, und Jakob im heißen Container wird ernster genommen, wenn er gelegentlich vor der Zerbrechlichkeit

bestimmter Dinge warnt. - Drei Stunden dauert es, dann ist der Container leer, und unsere Wohnung ist ziemlich voll. Bis auf die Tischplatte und ein einziges Glas scheint tatsächlich alles heil, das könnte man jetzt sogar ein bisschen feiern, wenn irgendwo dafür Platz wäre. Aber sogar der Balkon ist noch vollgeräumt und kaum begehbar. Klar: Die nächsten Tage werden wir Kästen rangieren, auspacken, umräumen, Platz schaffen: Irgendwie müssen wir hier fröhlich und einigermaßen bequem leben, denn das soll hier ja nicht nur ein Lagerhaus sein. Dafür braucht es kreative Ideen und Organisationsoptimismus, das wird denn

schon alles Platz haben in unserer Wohnung, unserem Zwischen-Zuhause in Kapariana. Zwei Zimmer werden allerdings ausschließlich als Stauraum dienen.

Aber, falls uns mal jemand besuchen kommt, können wir zwei Tage später feststellen: Das Wohnzimmer hat inzwischen zwar seine bisherige Großzügigkeit verloren, man kann aber immerhin schon wieder wohnen und kochen und essen und feiern und hat auch genug Platz dafür. Und auf dem Balkon steht auch der schwere Gartentisch wieder, dessen nun zwei Teile wir auf dem Gestell wieder zusammengeschoben haben.

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