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Das zweite Umzugs-Tagebuch

Aktualisiert: 25. Nov. 2021

Hier berichten wir fast "live" von den letzten beiden Abschnitten unseres Umzugs. Der Container bringt den größten Teil unseres Hausrats nach Kapariana. Und dann bringen wir uns selbst mit den letzten Kisten auf dem Landweg mit dem eigenen Auto nach Kreta.



Freitag


8 Uhr am Morgen: Zunächst muss noch das Verkehrsschild am Eingang vom Würzenmoos abgebaut werden, damit der LKW um die Kurve passt: Dann erreicht der Container seinen Parkplatz unweit von unserem Haus:

Sorgfältig wird er abgesetzt, und der freundliche Chauffeur verabschiedet sich. Bis zum kommenden Montag. Da wird der Container dann wieder abgeholt.

Und wir bestaunen erst einmal die Innenansicht:

Unsere lieben Nachbarn haben schon vorausgedacht: Carla und Bruno, deren Wasch-maschine wir benutzen dürfen, seitdem unsere Maschine schon in Kapariana wohnt, stellen uns ihren fein überdachten Parkplatz für unser Auto zur Verfügung.

So kann jetzt auf unserem Parkplatz der Anhänger stehen, den uns Max vor unser Haus gestellt hat, damit wir den Weg zum Container einfacher bewältigen können. Das ist sehr praktisch: Gut beladen rollt der Anhänger von ganz alleine bis zum Container. Der muss dann natürlich noch fachmännisch gut beladen werden. Dabei hilft uns Andy tatkräftig, der sich einen Tag frei genommen hat.

Und neben aller tatkräftigen Unterstützung bleibt es auch eine Herausforderung, den Container professionell so zu beladen, dass die Gewichte ausgeglichen, das Packgut seetauglich verankert und überhaupt alles so bepackt wird, dass all unser Inventar gut und sicher untergebracht ist.

Das klappt ganz hervorragend. Und das Innenleben des Containers sieht dabei eigentlich auch noch hübsch ordentlich aus.

Und in so einen Container passt auch wirklich eine ganze Menge hinein.

Eigentlich kommen wir an diesem Freitag sehr gut voran. Wir sind sozusagen vor dem Fahrplan.

Und da ist es umso schöner, dass Madeleine und ich mit unserem Sohn Jakob, der aus Hamburg angereist ist für diesen Umzug und intensiv mitarbeitet, den warmen Sommerabend bei unseren lieben Freunden Jolanda und Andy und ihrer Familie verbringen können und sehr fröhlich diesen ersten Umzugstag ausklingen lassen.



Samstag


Swiss Meteo hat auf dem Wetterradar Regen angekündigt. Also ist es wichtig, dass zumindest die Pappkartons allesamt im Container verstaut werden. Es hat ziemlich viele Bücher, es hat daher auch ziemlich viele Pappkartons und diese Pappkartons sind ziemlich schwer. Bücherkisten sind eigentlich immer zu schwer, und ich bin auch nicht sehr optimistisch, dass wir bei einem nächsten Umzug mal leichtere Bücherkisten packen. Ungefähr 168 schwere Pappkartons voller Bücher verstauen wir tatsächlich noch im Container, bevor der erste Regen fällt.

Und der Container wird sichtbar voller.

Die Regenpause nutzen wir, um die Bestände unseres Gefrierschrankes zu leeren. Es gibt Wiener Würstchen (den Wassertopf müssen wir uns bei den Nachbarn leihen) und dazu Toast (den Toaster müssen wir uns bei den Nachbarn leihen).

Am Nachmittag kommt dann weitere Unterstützung aus der Nachbarschaft: Toni, Ruth und Lieselotte sind dabei, Leann, Ryan und Jeffrey, und auch noch die Kinder Jasmin, Isabel, Martin, Linus. Da bringen wir es alle zusammen tatsächlich fertig, in einer Stunde fast den gesamten Hausrat im Container unterzubringen, sogar den schweren Terrassentisch und das Fitness-Rudergerät...! Dann gibt es wieder eine kleine wetterbedingte Unterbrechung -

und der Container wird ernsthaft auf seine Wetterfestigkeit überprüft. Es hagelt, es stürmt - aber nach einer Stunde können wir keinesfalls überrascht, aber doch erleichtert feststellen: Im Container ist alles trocken geblieben. Und das wird mit einem kleinen Umtrunk gefeiert...

Noch ein paar Fuhren mit den Anhänger, Diskussionen über logistische und physikalische Fachfragen und ein paar Umschichtungen im Container ist es dann geschafft. All unser Hausrat ist im Container transportfertig verstaut. Und auch das wird bei einem gemeinsamen Grillend gefeiert.


Sonntag


In einem gewissen Sinn verläuft unser Leben gerade etwas eingeschränkt. Es sind noch einige Tage, die wir im Eigenthal verbringen, aber nachdem unsere Habseligkeiten nun allesamt erfolgreich im Container verstaut worden sind, stellen wir uns praktischen Herausforderungen, das Leben möglichst entbehrungsarm zu gestalten. Längst sind Teller und Tassen in Pappkartons verstaut, inzwischen fehlen auch alle Möbel, die man üblicherweise für beispielsweise eine Mahlzeit als angemessen betrachten würde.

Das Frühstück mit Jakob macht auch deutlich, dass Tisch und Stühle wirklich sinnvolle Erfindungen sind: Es ist gar nicht einfach, die richtige Sitz- oder Liegehaltung zu finden und beizubehalten, um das Frühstück angemessen komfortabel und genussreich zu gestalten.

Der Tag vergeht mit Aufräumarbeiten im und um das Haus. Solche Dinge, die nicht mit auswandern sollen, können oder dürfen, werden aussortiert und für den Abtransport vorbereitet. Dieses Aufräumen ist mehr von der Einsicht in die Notwendigkeit geprägt als von wirklicher Begeisterung, und wir freuen uns umso mehr, dass noch manche hübsche Dinge ihre begeisterten Abnehmer in der Nachbarschaft finden.

Und für heute Abend ist natürlich wieder ein gemeinsames Abendessen mit unseren lieben Nachbarn geplant. Ganz und gar schweizerisch gibt es Käsefondue. Das gibt es bei uns, und wir werden also am Abend erneut tisch- und stuhllos die besten Sitz- und Liegehaltung beim Essen und Trinken ausprobieren.


Montag


Das geht dann doch gut los: Mit vier Stunden Verspätung wird der Container bei uns abgeholt. Wir verfolgen ihn noch eine Weile durch den Wald auf seinem ersten Weg,

vor allem, um dieses Abschiedsfilmchen zu drehen, bevor wir dann (hoffentlich) den Container im Hafen von Heraklion in Empfang nehmen und unser Hab und Gut in Kapariana einrichten!



Dienstag und Mittwoch


Der Dienstag wird gebraucht, um mit dem geliehenen kleinen Transporter allerhand Dinge zu verteilen, die nicht mit nach Griechenland sollen. Drei Fuhren zum Recyclinghof sind dafür notwendig – und bei unserer Freundin Suzanne in ihrem wohlaufgeräumten Keller in Luzern finden Schlitten, ein Fahrrad und das selbstgebastelte Puppenhaus einstweilen Asyl bis zur weiteren Verwendung anderorts. Die Nachbarsfamilie im Eigenthal nimmt unser Aquarium zu sich, verschiedene Schnäpse werden im Fonduehüsli im Würzemöösli untergebracht, einiges Spielzeug findet bei den Kindern der Umgebung dankbare Abnehmer. Da ist dann unser Haus fast ganz leer.

Für den Mittwoch müssen wir kurzfristig nach Bern zur Griechischen Botschaft. Es hat sich herausgestellt, dass wir das eMail von März 2018, sagen wir mal: missverstanden haben. Wir

können die Übersiedlungsbescheinigung gar nicht erst zwei Jahre nach Umzug beantragen, sondern müssen die vor dem Umzug ausstellen lassen, wir können das auch nicht schriftlich erledigen, sondern müssen selbst zur Botschaft kommen, und das mit der Einfuhr der Autos haben wir auch anders verstanden. Und überhaupt, sagt seufzend der Botschaftsmitarbeiter am Telefon, sei so eine Übersiedlungsbescheinigung eine

furchtbar komplizierte Sache, er macht dann eben noch den Mittwochstermin möglich, kündigt aber schon an, dass die ganze Ausstellung drei Stunden benötige. Wir halten das für eine temperamentvolle griechische Übertreibung, aber als wir dann wieder die Botschaft verlassen, konstatieren wir: Das waren wirklich fast drei Stunden, die wir dort verbracht haben. Dafür sind wir jetzt im Besitze jener Bescheinigung, die uns also die zoll- und abgabenfreie Einfuhr all unseres Eigentums minus eines Autos gewährleisten soll. Das Dokument hat 25 Seiten und es hat nun 46 Stempel. Es beinhaltet unter anderem eine Liste all der Gegenstände, die wir einführen wollen, manche gewissermaßen in Warengruppen zusammengefasst, dafür umso detaillierter beschrieben. Ein Regal ist in unserem Fall ein Bücherregal, flach, aus Holz, aber

nicht massiv, schwarz. Das steht da dann auch auf griechisch, in der Rückübersetzung mögen sich aber doch gewisse Uneindeutigkeiten ergeben, die dann also vor Ort ausdiskutiert werden müssen. Mit dem freundlichen Herr von der Botschaft, Kreter übrigens (der umso mehr staunt, dass wir ausgerechnet nach Mires! ziehen), sind wir uns einig, dass das schon arg viel Bürokratie ist, aber er will uns ja lediglich Scherereien beim Zoll in Heraklion ersparen und macht sich wirklich netterweise viel Arbeit mit unseren Anliegen.

Zurück im Eigenthal haben wir es eilig, das Haus für die Übergabe an die neuen Eigentümer vorzubereiten, das Wichtigste wird erklärt und unser PKW bepackt bis unters Dach, sogar das Orangenbäumchen kann noch mit, und:

Dann reisen wir ab.

Nicht ohne noch zuvor ein Abschiedsbier bei den Nachbarfreunden getrunken zu haben, aber:

Dann reisen wir ab, denn wir wollen uns noch ein Stück auf den Weg machen, also fahren wir noch bis Sargans.



Donnerstag, Freitag und Samstag


Ein bisschen ist unser Meinungswandel von dem Erstaunen des Botschaftsmitarbeiters, dass wir die Balkanroute zu wählen vorhatten, geprägt, außerdem haben Gruselgeschichten über Staus und langsame Abfertigungen an diversen Zollgrenzen an den Balkanstaaten ihre Wirkung getan: Wir wollen uns die Reise nun doch einfacher machen und reisen kurzentschlossen noch an einigen touristischen Highlights der Schweiz vorbei, über den Albulapass und den Bernina, durch das Poschiava, auf zeitintensiven Nebenstrecken


durch Norditalien und übernachten in Marina di Montemarciano an der Adriaküste – nicht ohne für den nächsten Tag eine Fährüberfahrt von Bari aus gebucht zu haben.

Die Fähre RIGEL I der Reederei Ventouris hat schon eine Menge erlebt und viele Namen getragen. Und sie war über einige Jahre in ganz anderen Meeren tätig, wovon das hübsche realsozialistisch-sowjetische Bild mit dem Titel „Leningrad“ im Treppenhaus ein anschauliches Beispiel gibt. Die Fähre ist 45 Jahre alt, sichtbar gebraucht, recht klein – und aus unbekannten Gründen ist gleich die gesamt Backbordseite für den Publikumsverkehr gesperrt. Weil die Fähre noch dazu langsam fährt, bietet sie reichlich Zeit, auf der kurzen Strecke nach Igoumenitsa in Nordwest-Griechenland gut zu schlafen.

Was macht es eigentlich aus, dass wir uns, gerade angekommen, in Griechenland gleich so vertraut und zuhause fühlen, obwohl wir in dem kleinen Kafenion ein paar Kilometer im

Landesinneren doch noch Hunderte von Kilometern von unserem neuen Zuhause auf Kreta entfernt sind? - Wir ziehen ein paar Vorurteile und subjektive Wahrnehmungen ab und nehmen uns reichlich Zeit, über diese Frage nachzudenken. Das ist es eben wohl. Das wir uns hier reichlich Zeit nehmen, über solche Fragen nachzudenken, in einem Kafenion sitzen und sich niemand wundert, dass wir hier so lange sitzen und augenscheinlich einfach da sind und vielleicht auch über etwas lange nachdenken.

In den letzten Jahren sind in Griechenland einige schicke Autobahnen neu gebaut worden, das hat sich vielleicht noch nicht so richtig herumgesprochen, denn die Autobahnen, auf denen wir heute unterwegs sind, die sind allesamt so gut wie leer. Sie sind sogar sehr gut und sie sind fast ganz leer. Die waldreiche, bergige Landschaft lässt uns annehmen, dass wir hier noch einmal herkommen wollen, in echten Ferien, aber jetzt zieht es uns zum nächsten Hafen nach Piräus, erst einmal in eines unserer Lieblingshotels, das „Alex“, wo wir es uns vor der morgigen Überfahrt noch einmal gut gehen lassen. Und entspannen. Uns ausruhen. Und dass unsere Aussicht gewissermaßen von 5 Notenlinien durchzogen wird vor unserem Hotelbalkon, lässt uns erahnen, dass wir mit Musik vielleicht auch später im Leben noch zu tun haben werden.


Sonntag


Der letzte Teil unsers letzten Teilumzugs ist eine Etappe, die wir ja nun schon gut kennen. Als Fähre von Piräus nach Heraklion wählen wir auch dieses Mal die Minoan, denn im Sommer kann man mit den Schiffen dieser Reederei die Strecke auch tagsüber fahren, dabei das Meer durchgehend bestaunen und auch noch die Kabine sparen. Wir fahren mit der „Festos Palace“, die ist am Sonntag nur mäßig gebucht ist, zumal kaum LKWs unterwegs sind. An Bord gibt man sich alle Mühe, ein bisschen „Kreuzfahrt-Feeling“ zu verbreiten: Sogar der kleine Pool wird mit Wasser gefüllt, überall stehen Liegen an Deck, und im großen Salon wird Live-Musik gemacht. Das ist eine fröhliche und entspannte Atmosphäre an Bord. Das Schiff ist als Schnellfähre unterwegs, mit fast 30 Knoten bleibt bei achteinhalb Fahrstunden bis Kreta noch Zeit für einen Zwischenstopp auf halber Strecke: Die „Festos Palace“ läuft mit einer staunenswerten Buchteinfahrt noch die Insel Milos an.

Das ist eine angenehme Überfahrt, es hat reichlich Platz an Deck, ist nicht zu heiss und nicht zu kalt, es gibt kaum Seegang, und Restaurants, Bars, Salons, Läden machen die Reise auch für diejenigen kurzweilig, denen der Blick auf Meer und ein paar Inseln auf Dauer zu langweilig wird. Die Zeit geht schnell vorbei.

Bei aller „Reiseroutine“ ist das für uns aber doch schon ein spezielles Erlebnis, diese letzte Reiseetappe unserer Auswanderung zu erleben. Dass wir denn nun wirklich auswandern, ausgewandert sind, einzig auf Kreta zuhause sein werden, das wird hier nun so richtig spürbar bewusst.

Und dann auch sichtbar: Als Kreta am Horizont erscheint, uns schnell entgegen kommt. Wenig später sind wir dann da: Im Hafen von Heraklion. Auf Kreta. Angekommen. Daheim.

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