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Tannenbäume und Weihnachtsmänner

Aktualisiert: 25. Nov. 2021

"O Tannenbaum, o Tannenbaum…“ klingt es über die Dächer von Kapariana hinweg. Ja, richtig, das Weihnachtslied. Allerdings mit griechischem Text. In der nahe gelegenen Schule werden die Kinder in der großen Pause über Lautsprecher mit Weihnachtsliedern beschallt, vielleicht weil jetzt Dezember ist und es nur noch 22 Tage bis Weihnachten sind. 3. Dezember: Die Sonne scheint, es sind 20 Grad, und vorgestern war erster Advent. – Ich hatte mir ja vorgenommen, hier in Kapariana einen Adventskranz mit Ästchen und Zweigen von Sträuchern und Bäumen von unserem Grundstück zu machen (da wächst schließlich genug, bloß nichts, was annähernd mit Tanne zu tun hat), aber es passt irgendwie nicht. Adventskränze hat man hier nicht. Die griechisch-orthodoxe Kirche kennt auch eine Vorbereitungszeit auf Weihnachten; die beginnt aber schon am 15. November und ist, ähnlich wie vor Ostern, eine 40tägige Fastenzeit (man verzichtet auf tierische Produkte jeglicher Art). Am 24. Dezember dann ziehen Kinder von Haus zu Haus und singen ein typisch griechisches Weihnachtslied, das die Geburt Christi verkündet. Am 25. Dezember schließlich endet die Fastenzeit, Weihnachten wird gefeiert und die Weihnachtszeit beginnt. Vorweihnachtszeit also. Sonne, 20 Grad. – Auch wollte ich die roten Weihnachtskugeln irgendwo hinhängen, aber sie sind in der hintersten, untersten Kiste von den Zügelkisten, die nicht ausgepackt werden, bis sie genau so in unser neues Haus verfrachtet und dort dann selbstverständlich ausgepackt werden (ich weiß wenigstens, wo sie sind, die Weihnachtskugeln).

Jetzt weht „Jingle bells“ vom Pausenplatz rüber. Auch auf griechisch. Wo war ich? Ach ja, bei der Vorweihnachtszeit, die hier ganz anders ist. Oder auch nicht ganz anders, denn ihre kommerzialisierte Seite hat auch Kreta erreicht. Die Schaufenster der Läden sind mit Plastikweihnachtsbäumen, Christbaumkugeln, Weihnachtsmännern, Kunstschneeflocken,

mit Rentieren, Schneesternen, kunstverschneiten Pappriegelhäuschen und Lametta - dekoriert, wollte ich sagen, aber vollgestopft trifft es wohl besser. Die Flut von Dekomaterialien ist auch auf die Insel geschwappt, aber irgendwie scheint hier keiner so richtig zu wissen, wie man denn damit umgehen könnte.

Also stehen ganze Rentierherden zwischen Pseudo-Elsäßischen-Riegelhausstädtchen, und daneben winkt ein überdimensionierter Plastiknikolaus (den es hier übrigens auch nicht gibt, den Nikolaus). Eine unserer Nachbarinnen hat ihr Balkongeländer mit weißen Lichterketten geschmückt, das sieht hübsch aus, und letzten Samstag habe ich auf dem Markt in Moires ein kleines Mädchen gesehen, das seine langen Haare mit einem Haarreif mit Rentierkopf gebändigt hatte und stolz einen riesigen, weiß und silbern glitzernden Schneestern nach Hause trug. Auch trug das kleine Mädchen weiße Wollstrümpfe und eine Art Moonboots. – Sonne und 20 Grad. Griechische Kinder schicken ihre Wunschzettel zu Weihnachten übrigens nicht dem Weihnachtsmann und nicht dem Chrischtchindli, sondern dem Heiligen Vassilis, der aber erst am 1. Januar das eine oder andere Gschänkli bringt.


„Herbei, o ihr Gläub’gen,…“ - die Pause ist vorbei und meine Pläne für die Vorweihnachtszeit 2020 sind geschmiedet: In unserem Garten, nahe beim Haus, das bis dahin gebaut ist, wird ein Orangenbaum stehen. Und um diese Jahreszeit wird er voll von Früchten sein. Dazu werde ich ihn mit roten Weihnachtskugeln behängen, das stelle ich mir hübsch vor. In einem der kleineren Olivenbäume könnten zwischen eh schon silberfarbenen Blättchen die kleinen silbernen Glöckchen hängen. Und vielleicht kriegt der eine Kaktus ein rotes Nikolausmützchen. Alles sozusagen als Reminiszenz an Adventszeit und Weihnachtszeit in Mitteleuropa. Ein bisschen Kitsch, aber schön. Und vielleicht wird dann auch der Kamin (geplant ist ein schöner Ofen u.a. im Gastronomiebereich) noch ein bisschen dekoriert sein. Ansonsten aber wollen wir uns auf die hiesigen Bräuche einlassen, und so werde ich dann wohl kleinere und größere Schiffchen basteln und mit Lichterketten verzieren. - Schiffchen? Wieso Schiffchen? – Zu diesem Brauch dann mehr, wenn die eigentliche Weihnachtszeit gekommen ist (25.12. - 6.1.), wir alles miterleben und ich von wirklich Erlebtem berichten kann.

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