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Nach der Samstags-Baustellenarbeit

Heute, am Samstag, geht es zunächst wieder auf die Baustelle, da arbeiten gleichzeitig Elektriker, Wändebauer, Klempner, Dachisolierer – nur die Zäunebauer sind nicht erschienen, weil die Wettervorhersage Regen angekündigt hat, aber zumindest am Vormittag scheint die Sonne und es bleibt trocken. Wir bleiben nur kurz vor Ort, danach fahren wir auf den Markt von Mires – und für den Nachmittag nehmen wir uns viel Schreibtischarbeit vor, die muss ja auch mal erledigt werden, und da gibt es allerhand zu tun. Und außerdem hat es inzwischen wieder angefangen zu regnen, da ist Hausarbeit gerade das Richtige.

Kurz nach drei Uhr am Nachmittag klingelt das Telefon, der Klempner Iannis meldet sich, er ruft von unserer Baustelle aus an. Wir wundern uns zunächst ein bisschen, dass Iannis um diese Zeit an einem Samstag überhaupt noch auf der Baustelle ist, aber Iannis erklärt: Er hätte gerade den Grill angefeuert und es gäbe Wein, ob wir nicht schnell vorbeikommen wollen. Das wollen wir: Also lassen wir die Schreibtischarbeit liegen, packen noch eine Tasche mit Bierflaschen ein und machen uns auf den Weg. Auf unserer Baustelle scheint inzwischen schon wieder die Sonne, aus dem einen Bungalow-Rohbau ziehen schon die Rauchschwaden, da sind gerade, als wir ankommen, die ersten Fleischstücke fertig gegrillt, und wir bekommen gleich eine Portion serviert: Natürlich mit einem Becher Wein von Iannis' eigenem Weinberg.

Die Klempner-Crew ist da, aber auch die Wandbauer sind noch geblieben, und wenig später kommen auch noch die Sanitär-Zulieferer auf die Baustelle gefahren: Es ist also ordentlich etwas los auf dieser spontanen Samstag-Nachmittag-Grillfeier.

Auch unsere vier Katzen finden sich ein, wir erfahren, dass sich der Klempner Michalis jeden Morgen sein Schokoladenbrötchen mit Kater Freddie teilt, die Freude bei den Klempnern ist dann besonders groß, als sie von uns erfahren, dass Freddie bei uns schon Freddie, ο υδραυλικός; Freddie, der Klempner heißt, obwohl das ja eigentlich auch ungerecht ist, denn Kater Freddie hat auch eine besonders intensive Beziehung zu Renato, dem Wandbauer. Aber auch die anderen Katzen werden heute gut, wenn auch eher aus der Ferne versorgt, und wirken ziemlich schnell so, als ob sie auf der Stelle einschlafen könnten nach so viel Festessen, aber einschlafen tut dann nur Freddie auf dem Arm von Klempner Michalis.

Es wird langsam dunkel, alle freuen wir uns gemeinsam über das unglaubliche schöne Dezemberlicht zum Sonnenuntergang, gerade nach dem Regen. Jemand startet auf seinem Handy die Playlist mit der schönsten kretischen Musik, ab und zu singen wir alle mit. Iannis' Wein schmeckt wirklich sehr gut, sowohl der tiefrote, der schon länger lagert, als auch der neue hellrote – da sind wir uns alle einig. Es hat reichlich Steaks vom Grill, aber irgendwann sind wir alle gleich erledigt wie schon länger die Katzen: Aber es ist gemütlich in unserem Rohbau-Bungalow, wir holen also den Grill unter das Dach, damit es dort für uns ein bisschen wärmer wird, solange die Kohle noch glüht. Wir erfahren, dass Iannis Zwillinge erwartet, er zeigt uns schon ein Foto von den beiden neu gekauften Babybettchen, die auf die entsprechende Belegung warten, also zeigen wir uns alle gegenseitig die Fotos von unseren Kindern und finden: Die sehen alle wirklich nett aus, da haben wir es doch gut getroffen. Dann müssen Madeleine und ich noch ein bisschen die Schweiz und Deutschland erklären: Marco, der mal in der Schweiz hätte arbeiten wollen, möchte erklärt bekommen, wieso sich alle Mietparteien im Mehrfamilienhaus eine Waschmaschine im Keller teilen. Wir erklären die Sache mit dem Wochenplan und dem Waschtag, aber niemand versteht hier, warum man dann die Hose nicht an dem Tag waschen darf, an dem sie schmutzig geworden ist. Das wiederum können wir auch nicht so gut erklären, aber wir wohnen ja auch schon länger in Kapariana. Dann geht der Mond auf, und wir bestaunen das Mondlicht durch die Türöffnung Richtung Sivas, Elias fotografiert den Mond sogar und wir bekommen erklärt, dass Elias besonders romantisch sei, aber da geht es uns wie Elias.

Allmählich kühlen die Kohlen aus, diesen Rohbau-Bungalow können wir noch nicht anders heizen, also beenden wir mal zusammen dieses Samstag-Abend-Fest, wir machen uns auf den Weg nach Kapariana zu unserer Schreibtischarbeit. Und denken wieder mal: Das ist unser Kreta hier, das ist unser Zuhause, was für ein Glück, mit diesen Menschen.



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