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Advent

Aktualisiert: 29. März


Seinerzeit in der Schweiz hatte mir eine liebe Bekannte jeweils am 4. Dezember, am Barbara-Tag, in ihrem Garten einen Zweig geschnitten und geschenkt, verbunden mit der Hoffnung, dass er zu Weihnachten blühen möge und Licht und Farbe, Hoffnung und Glück in das Dunkel und Grau der Wintertage bringe. Das hatte immer geklappt, das mit der Farbe und der Hoffnung, denn kurz vor Weihnachten, zugegebenermassen vielleicht begünstigt durch die von der Fußbodenheizung verströmte behagliche Wärme in unserem Haus, öffneten sich die Blüten. Hier auf Kreta schneide ich keinen Barbara-Zweig, denn Farbe und Licht gibt es während der Adventszeit reichlich: Advent auf Kreta ist nämlich dann, wenn die ersten Anemonen blühen. Weiß, rosa, violett.

Vierter Advent. Ziemlich genau vor einem Jahr hatte ich davon berichtet, wie ich mir Weihnachten 2020, natürlich in unserem „o mikros kosmos“ (!), vorstelle. Weil unsere „kleine Welt“ noch nicht gebaut ist, haben wir zu Beginn dieser Adventszeit unsere Wohnung in Kapariana vorweihnachtlich geschmückt. Unsere Dekoration folgt verschiedenen Bräuchen aus unterschiedlichen Kulturen und Jahrhunderten, und Traditionelles und Neumodisches finden zusammen. Es macht Freude, aus Vorhandenem und Bestehendem etwas zu werkeln, und deshalb wurde außer einem Bogen roten Papiers nichts gekauft, stattdessen habe ich die Umzugskisten, die im Abstellräumchen einigermaßen leicht zugänglich waren, auf der Suche nach Brauchbarem durchforstet und auf unserem Grundstück Naturmaterialien gesammelt. Dann wurde gesägt und gebohrt, gesteckt, gefaltet, geschnitten und geklebt. Entstanden sind ein Adventskranz, ein Adventskalender, und ein Weihnachtsbäumchen. Kranz und Weihnachtsbaum wurden aus Olivenzweigen, Altholz von unseren Olivenbäumen und verholzten Agavenblüten gebastelt. In den Kisten haben wir auch unsere Erzgebirge-Pyramiden gefunden, eine davon noch aus Martins Kindheit, und die Engelschor-Figuren, die ich vor Jahren mal selber gemacht hatte. Und so drehen sich nun allabendlich Hirten mit Schäfchen, heilige drei Könige, Maria, Josef und das Jesuskind in der Krippe auf den Pyramiden im Kreis, und wenn man genau

hinhört, kann man die Engelchen im Chor singen hören (eines von ihnen singt falsch). Vielleicht bauen und schmücken wir noch ein kleines Schiff, das ist die typisch kretische Weihnachtsdekoration.


Allabendlich gehen auf unserer Terrasse Weihnachtslichtchen an. In diskretem Warmweiß. An den Fassaden anderer Häuser in unserer Straße blinkt und funkelt es auch in Blau und Grün. Und es funkelt und blinkt und leuchtet sozusagen auf bürgermeisterliche Anordnung hin. Unser Bürgermeister sorgt sich nämlich sehr um das Seelenleben von uns Bürgerinnen und Bürgern in Zeiten von Corona-Lockdown und Kontaktverbot. Denn, ganz ungriechisch, wirken die Straßen ab neun Uhr abends wegen der totalen Ausgangssperre tatsächlich wie leergefegt. Und Weihnachtsbummel ist nicht. Dennoch möchte der Bürgermeister, dass sich unsere Gemeinde weihnachtlich rausputzt, er möchte, dass wir es uns schön machen und unsere Häuser und Wohnungen dekorieren, und er appellierte an die Ladenbesitzer, dass sie doch bitte, auch wenn sie ihre Läden nicht öffnen dürfen, die Schaufenster dennoch schön weihnachtlich gestalten möchten, denn es ist schließlich Vorweihnachtszeit. - Lichter und Dekoration gegen Corona-Blues. Und, was soll ich sagen: Wir halten uns an den Aufruf unseres Bürgermeisters, und eben deshalb hat sich unsere kleine Stadt in diesem Jahr besonders herausgeputzt. Da man ja zwecks körperlicher Ertüchtigung oder zum Einkaufen von Lebensmitteln das Haus verlassen darf, empfiehlt es sich, das zwischen 17:40 und 21 Uhr zu tun, wenn es nämlich stockdunkel ist und man in den vollen Genuss der weihnachtlichen Lichterpracht in Moires Downtown kommt - ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes.


In unserer Straße hier in Kapariana sorgen wir für ein weiteres Highlight: Unsere Freunde und Nachbarn aus dem Eigenthal erinnern sich vielleicht noch an den Weihnachts-Laserstrahler, der am Adventsglühwein-Fäschtli wegen Kälte und Nässe nicht so richtig funktionieren wollte. Hier im südkretischen Klima funktioniert er einwandfrei, und so schicken wir nun also von unserer Terrasse aus Lichtstrahlen ins Dunkel, lassen geheimnisvolle kleine grüne Lichtchen den Strom- und Telefonleitungen in unserer Straße entlang tanzen, Lichtchen, die sich an den Mauern des gegenüberliegenden Rohbaus zu Lichtkugeln verdichten, ehe sie in kleinen Funken zerstieben und in den Olivenbäumen neben dem Rohbau weiter irrlichtern. - Sowas hat man hier noch nicht gesehen.


Frohe Festtage - καλές γιορτές!





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