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Einkaufen

Aktualisiert: 25. Nov. 2021

Wenn es in diesem Blogeintrag vor allem gleich um die wunderbaren Möglichkeiten geht, in Mires einzukaufen, dann soll gleich am Anfang klar gestellt sein: Mit der Butterdose hat es nicht geklappt. Wir sind da weiterhin auf der Suche und rechnen ersthaft damit, dass wir uns eine Butterdose erst dann werden kaufen können, wenn wir mal wieder in Deutschland oder der Schweiz sind. Solange wird Butter bei uns auf einer Untertasse im Kühlschrank gelagert, aber das ist natürlich keine Dauerlösung.

Dass es so schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, in Mires eine Butterdose zu erstehen, hat natürlich damit zu tun, dass Butter nicht eigentlich ein Produkt ist, das von Griechen gekauft wird. Olivenöl ersetzt hier viele Funktionen, die in Mitteleuropa Butter üblicherweise einnimmt. Butter wird hier eher von Auswanderern und Touristinnen gekauft, und die müssen dafür viel Geld auf den Tisch legen: Griechische Butter gibt es, sie kommt aus Nordgriechenland, knapp 4 Euro muss man für das kleine Paket von 250 Gramm zahlen. Nur ein wenig günstiger kommt die dänische Lurpark-Butter, die unter den Import-Buttern wohl die Marktführerin ist. Nun ist es allerdings so, dass Butter zunehmend auch von Griechen geschätzt wird: Ja, Kuchen kann man auch mit Olivenöl backen, aber, zugegeben, auf Festen wird am meisten geschätzt, insofern eine solche Auswahl besteht, dann doch nicht selten derjenige Kuchen, der mit Butter gebacken ist, da ist die Präferenz ganz international. Umso erfreulicher, dass die Butterpreise nun, wenn auch durch „LIDL Hellas“, ins Rutschen geraten sind, seitdem der Discounter Deutsche Markenbutter aus Hamburg im Angebot hat, die Kreta offenbar über einen italienischen Zwischenhändler erreicht. Diese Butter wird nun auch und offenbar viel gekauft, und von daher mag meine Hoffnung nicht ganz unberechtigt sein, dass es irgendwann in Mires auch Butterdosen zu kaufen gibt.


Zum Einkaufen in Mires also: Wir sind immer wieder fasziniert, dass man, noch dazu ohne großes Recherchieren, abgesehen von den Butterdosen, hier einfach alles bekommt, was Herz und Auge und vielleicht noch sonstige Organe begehren. Da gibt es die kleinen Lebensmittelläden, sieben Tage die Woche von frühmorgens bis spätabends geöffnet, jeder

Quadratzentimeter Fläche ist genutzt für das Angebot aller Waren des täglichen Gebrauchs und des unmittelbaren Genusses. Es gibt an der langen Hauptstraße von Mires dazu eine sagenhafte Anzahl von Fachgeschäften, manche hochspezialisiert – und da werden alle sonstigen denkbaren Bereiche potentieller Nachfragen abgedeckt. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ausser Butterdosen. Alle diese Geschäfte haben gemeinsam, dass sie eine kleine Ladenfront von wenigen Metern haben, die wenig von dem erahnen lässt, was sich in dem Geschäft eigentlich verbirgt. Der Zauber enthüllt sich erst bei Betreten des Ladens: Lang gezogen nach hinten und nicht selten seltsam verwinkelt reihen sich mitunter Zimmer an Zimmer und sowieso Regale an Regale, immer eng gestellt oder vollgestopft mit Waren zu jeglicher Art von Verwendung. Da gibt es das Haushaltswarengeschäft, das Pfannen und Töpfe in einer Auswahl bietet, wie sie in ganz Luzern nicht zu finden ist, dazu und direkt daneben Kaffeezubereiterkännchen in allen Größen, Farben und Formen, Tischtuchbefestiger, Zahnstocherbehältnisse oder

Serviettenhalterersatzteile. Wer wollte sich da noch online beliefern lassen, wenn noch dazu freundliche, kundige Verkäuferinnen gegebenenfalls auch noch aus unsichtbaren Lagern zaubern, was man nicht wirklich für erkaufbar hielt! Außer eben den Butterdosen. Dann der Elektroladen, nein, die Elektroläden: Einen passenden Adapter für ein in den USA gekauftes Gerät mit einem Schweizer Adapter, der nun auf griechische Alt-Steckdosen umgerüstet werden soll? Das ist kein Problem, genau das passende Teil wartet wahrscheinlich schon 30 Jahre im Regal, um jetzt an uns für einen Euro fünfundzwanzig verkauft zu werden.

Für den Alltag haben wir unseren Lieblings-Gemüsehändler. Am Markttag von Mires, über den gleich noch zu berichten sein wird, mag sich dieser Gemüsehändler vielleicht etwas überflüssig vorkommen: Am letzten Samstag jedenfalls gab es für alle Kunden erst einmal Raki, dazu kleine Brotscheiben und geschnittene Obst-Kostproben aus dem Laden. Dazu die Einladung, es sich erst einmal auf einem Stuhl ein bisschen gemütlich zu machen. Aber auch an normalen Tagen schätzen wir das Angebot an kretischem Obst, Gemüse: an aromatischen Zwiebeln, uns vom Namen her unbekannten, kräftigen Blattsalaten, fleischigen Tomaten, festen Gurken, süßesten Trauben, intensivsten Kirschen - und den legendären Messara-Kartoffeln, die von einem charakteristischen Geschmack sind, dass sie nun wirklich einfach gar nichts mit ihren Namensvettern beispielsweise aus der Schweiz gemeinsam zu haben scheinen.


Der Markt von Mires: Jeden Samstag ist die Hauptstraße, die durch den Ort führt, bis 16 Uhr gesperrt, denn dann ist hier Markt. Es ist der größte Markt auf Kreta. Spektakulär das

Angebot an Obst und Gemüse, das muss eigentlich gar nicht mehr gesagt sein. Es macht einfach Freude, sich hier umzuschauen und einzukaufen. Und ich mag es, dass man hier nicht

handeln muss. Niemand handelt hier, höchstens ein paar ortsunkundige Touristen versuchen das mal. Es gelten die Preise, die ausgeschildert sind, und die sind wahrlich günstig genug. Alle Waren sucht der Kunde selbst aus und gibt sie dem Verkäufer, sie werden dann sorgfältig abgewogen, wo das nötig ist, dann wird der Preis gesamthaft ausgerechnet, zumeist deutlich nach unten abgerundet, und dann gibt es noch ein paar Bananen oder Auberginen oder Orangen dazu obendrauf. Übrigens sehen manche Tomaten, Gurken, Orangen, Bananen manchmal nicht unbedingt makellos aus – vielleicht ist das auch ein Grund, warum sie den Weg in die mitteleuropäischen Regale mit ihrem oberflächenpolierten Obst und Gemüse nicht finden. Aber sie sind geschmacklich einfach ein paar Klassen besser, da man wirklich nicht unterschiedlicher Meinung sein.

Auf dem Markt von Mires gibt es natürlich nicht nur Obst und Gemüse. Es gibt Fleisch und Fisch. Es gibt Honig und Raki. Es gibt Öle und Essige. Und es gibt in seinem westlichen Teil dann auch Textilien, Haushaltsgeräte – eigentlich so ziemlich alles für den

täglichen Gebrauch. Außer den Butterdosen, aber das wird hier nun auch niemand mehr erwartet haben. Richtung Tympaki, nach Westen hin, werden die Waren immer billiger. In der Mitte des Marktes gibt es noch Hosen und Kleider zu kaufen, da kann man so 10 Euro ausgeben pro Stück. Dann kommen die Tische mit den Schuhen für 5 Euro das Paar. Dann der Verkaufsstand mit den Rucksäcken und Taschen für 2 Euro. Dann verkündet der nächste Verkäufer, dass alle Waren an seinem Stand nur ein Euro kosten, und, wie nicht anders zu erwarten, gibt es am letzten Stand am Ende des Marktes Kuchenformen, Messer, Besteck für 50 Cent das Stück.

Auf dem Markt von Mires wird natürlich nicht nur verkauft und gekauft. Hier trifft man sich. Hier sitzt man zusammen, hier isst man eine Kleinigkeit, hier probiert man aus, hier werden Neuigkeiten ausgetauscht. Das ist hier so ein bisschen das nicht-virtuelle Facebook, das aber eben nur jede Woche am Samstag online ist.

Dann gibt es natürlich auch noch die richtigen Supermärkte. Es gab einen „Euro-Spar“ und einen „Carrefour“, beide ziemlich um die Ecke gelegen, hier in Kapariana. Beide gehören nun zur Kette „Chalkiadakis“, die auf Kreta zahlreiche Supermärkte betreibt. Das sind feinere, wohl aufgeräumte Supermärkte. Es gibt auch, wie sich das für solche Supermärkte

gehört, regelmäßig wechselnde Sonderangebote. Man kann kretische Waren kaufen, man könnte auch Zitronen aus Argentinien kaufen, wenn man das wollte, man kann asiatisches Fine Food bekommen, man kann auch kretischen Honig aus dem Psiloritis-Gebirge erwerben, es gibt italienische Teigwaren in allen Formen und fast allen Farben, aber auch griechische Reisnudeln aus regionaler Produktion. Natürlich gibt es auch einen Stand mit Frischfleisch, und es hat zahlreiche Tiefkühlprodukte. Was die Preise angeht, kann man immer wieder staunen: Manche Waren sind absurd teuer, andere wieder ebenso spektakulär günstig. Im Durchschnitt allerdings, das muss man klar sagen, sind diese Lebensmittel für Griechen im Verhältnis zu durchschnittlichen Einkommen, teuer. Sehr teuer.

Bei Chalkiadakis gibt es übrigens auch eine Art Tankstelle, die es mir besonders angetan hat. Hier kann man Weiß-, Rot- oder Roséwein entweder schon abgefüllt in Wasserflaschen kaufen oder auch selbst zapfen. Das ist „Landwein“, produziert irgendwo in der Nähe, an den Berghängen der Umgebung. Diese Weintankstelle findet sich in jeder Filiale. Recht große Schilder verkünden den 1,5-Liter-Preis Wein für alle Sorten. Ich bin mir nicht sicher, ob sich diese Preise auch so häufig verändern, wie an den Benzintankstellen, aber eine solche Entwicklung, wenn es sie denn hat, werde ich verfolgen.


P.S.

Die Butterdosenproblematik haben wir inzwischen gelöst. Nein, nicht in Mires. Aber heute an der Stadteinfahrt von Heraklion, da gibt es einen riesigen Großmarkt für Haushaltswaren, Spielzeug, Schreibwaren, Autozubehör, Campingartikel – und Butterdosen. Jedenfalls gab es dort ein Behältnis zu kaufen, das zwar neutral mit „Aufbewahrungsbox“ beschriftet war, aber seine wahre Identität ja nun nicht verleugnen kann: Es ist eine Butterdose!


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