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Aktualisiert: 29. März

Als wir am frühen Abend zu unserer Baustelle kommen, da sehen wir schon von weitem, dass es eine wesentliche Veränderung gibt. Genauer gesagt: Es gibt sogar gleich zwei wesentliche Veränderungen. Zwar nicht wirklich direkt auf unserer Baustelle, aber knapp daneben. Und diese Veränderungen betreffen unsere Baustelle, da haben wir gar keinen Zweifel. Baustellen-Laien werden sich möglicherweise fragen, was es denn mit diesen beiden riesigen Stelzen auf sich hat, die da neben der geplanten Einfahrt aufragen, aber wir wissen natürlich Bescheid. Wir schicken ein Foto zu Vasilis, unserem Bauingenieur, und Vasilis weiß auch gleich, zu welchem Zweck diese beiden aberwitzig hohen Baumstämme nebeneinander aufgestellt wurden, er staunt sogar, dass diese beiden aberwitzig hohen Baumstämme nebeneinander aufgestellt wurden, jetzt schon, und fragt deshalb per SMS nur zurück: „Really….?“. Ja, antworten wir Vasilis, tatsächlich, das ist kein Fake-Photo: Diese Riesenpfähle stehen tatsächlich hier, neben der Einfahrt zu unserem Grundstück.


In ungefähr fünfzig Meter Abstand und glücklicherweise auch nicht auf unserem Grundstück sehen wir noch einen weiteren, ähnlich hohen Pfeiler, auf der nächsten Bergkuppe einen weiteren: Doch, das sieht so aus, als ob die staatliche Elektrizitätsgesellschaft den Bau einer Stromleitung zu unserem Grundstück nicht nur ernsthaft in Erwägung gezogen, nicht nur beschlossen, sondern sogar bereits begonnen hat. Das ist erfreulich. Und, noch erfreulicher: Die Pfeiler stehen neben unserem Grundstück und nicht etwa auf unserem Grundstück, das ist auch schon mal gut so, denn bei der Planung von Elektroleitungen und der Aufstellung von Pfählen wird hier üblicherweise nicht Rücksicht genommen auf Wünsche der Kunden, es hätte also auch sein können, dass diese Pfähle, sagen wir mal, im zukünftigen Café-Garten aufgestellt worden wären, da hätten wir uns zwar beschweren können, aber genutzt hätte es nichts.

Wasser haben wir ja schon, nun soll uns also sogar oberirdisch noch die Elektrizität erreichen.


Das schien bis vor kurzem nicht selbstverständlich. Wir hatten vor einiger Zeit einen Antrag für die Stromversorgung gestellt, da passierte erst einmal gar nichts, und dann kam immerhin eine Rechnung. Die Rechnung, das fanden und das finden wir immer noch, war und ist absurd hoch, es wurde im Begleitbrief auch gar nicht erklärt, wie die von uns zu zahlende Summe eigentlich zustande kam, da fehlten Angaben zur erforderlichen Länge der Leitung, es waren keine Fertigstellungstermine angegeben, überhaupt gar keine Details, dafür wurde ausführlich erklärt, dass der Gesamtbetrag jetzt sofort zu zahlen sei, sonst würde schon mal gar nichts passieren, und die schiefe, auf den Cent genau angegebene, von uns zu zahlende Summe sollte wohl suggerieren, dass sich schon jemand die Mühe gemacht hätte, die Summe eben ganz genau auszurechnen. Wir hatten ja keine Wahl, Nachfragen waren nicht vorgesehen, also haben wir die Summe zähneknirschend und augenrollend bezahlt. Nach drei stromtechnisch ereignislosen Monaten hat Vasilis dann mal nachgefragt bei der Stromgesellschaft, er hat sogar jemanden am Telefon gehabt, und der hat auch noch Auskunft gegeben. Nein, unser Antrag sei noch nicht bearbeitet worden, überhaupt gäbe es jetzt ja Materialknappheit, es würde viel gebaut in unserer Gegend, dann schwirrten überall diese Viren in der Luft herum, so ganz einfach sei das ja nun auch nicht mit der Elektrizitätsversorgung zurzeit, da sollten wir besser keine zu hohen Erwartungen haben. Und, nein, eine Auskunft, wann denn mal mit dem Bau der Leitung begonnen würde, könnte angesichts dieser Widrigkeiten nun wirklich nicht gegeben werden.


Wir haben in Griechenland ja schon gelernt, dass es zu erheblichen Verzögerungen kommen kann insbesondere dann, wenn staatliche oder halbstaatliche Stellen in Prozesse involviert sind. Ein Baustofflieferant hat uns berichtet, dass er ein halbes Jahr auf einen Stromanschluss warten musste, für den er Unsummen zu bezahlen hatte – obwohl die Stromleitung samt Pfahl bereits direkt neben seinem Grundstück stand. Er hatte sich schon überlegt, die Leitung mit einem eigenen Kabel anzuzapfen. Also freuen uns wir uns also nun besser, dass da gleich zwei Pfähle stehen, unangekündigt aufgerichtet, denn die werden, nehmen wir an, da ja nicht einfach so aufgestellt worden sein, sondern dürfen wohl doch gleichsam als Ankündigung verstanden werden, dass da auch bald mal jemand Leitungen spannt. Aber sicher wissen wir das natürlich nicht.

Immerhin sehen wir einen Tag später, dass da weiter gearbeitet wird, da werden Erdarbeiten vorgenommen, und so sind wir sind uns jetzt noch sicherer, dass die ganze Sache ein Ziel hat, das auch mit der Elektrizitätsversorgung unseres Grundstückes zu tun hat.

Einen weiteren Tag später sehen wir dann tatsächlich hinten auf dem Hügel, dass da schon Leitungen gespannt werden, kurz darauf steht sogar ein Fahrzeug der Elektrizitätsgesellschaft auf unserem Grundstück, und gleich mehrere Arbeiter hängen an den Pfählen, offenbar um Vorkehrungen dafür zu treffen, dass uns diese Leitungen auch bald hier erreichen könnten.


Zur ergänzenden Erläuterung: Wir werden mit einer Photovoltaik-Anlage, die auf den Dächern der Gästeparkplätze installiert sein wird, unseren Strom sozusagen selbst produzieren, aber nicht bei uns speichern, sondern das Netz des Stromversorgers als Speicher nutzen: Dazu brauchen wir den Stromanschluss, sozusagen in beide Richtungen. Erst einmal also die Pfähle.



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